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Freitag, 13. Juni 2008

Hex and the City: Hitzefrei

Mal wieder eine Ausgabe meiner Kolumne aus dem kostenlosen IT-Magazin KaffeeKlatsch:

In der heutigen Kolumne möchte ich einmal eine gewagte These aufstellen, ohne diese groß zu belegen. Warum auch. In Zeiten wie heute sollte allen klar sein, dass man Statistiken, die man selbst nicht gefälscht hat, ohnehin nicht trauen darf. Oder haben Sie noch nicht davon gehört, dass die Untersuchungsergebnisse, die uns seit Jahren weismachen, dass Handys gesundheitsschädlich sind, von einer Labortechnikerin gefälscht und bewusst erstellt worden sindi? Daher verzichte ich auf solche Statistiken und hoffe, dass ein jeder von Ihnen selbst spüren kann, was ich meine.


In meiner Wahlheimat Franken im Süden Deutschlands1 ist nämlich die Hitzewelle ausgebrochen. Die schwüle Sommerluft, wenn man dies denn schon so bezeichnen will, füllt die Atmosphäre. Und die Gemüter.


Die Pessimisten denken: Jetzt gibt es einen heißen Monat, und der richtige Sommer ist dann schlecht. Die Optimisten denken: Klasse, das Jahr verspricht gutes Wetter. Der Realist2 sagt sich: Das Wetter wird an jedem Tag, wie es schon am Vortag war. Und obwohl letzter damit augenscheinlich auf Dauer richtig falsch liegt, hat er statistisch mehr Recht als der Wetterbericht3. Außerdem denkt sich der Realist, wenn er denn nicht gerade Lehrer ist oder Kinder besitzt: Eigentlich ist es auch egal, wann im Jahr das Wetter schön ist, ich kann ja auch außerhalb der Ferien frei machen.


So teilen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen die Bevölkerung direkt in Teilmengen. Denen, die sich freuen und die anderen. Sowie denen, die schon beim Armraushalten im Auto eine gebräunte Haut kriegen, und denen, die ihrer hellen Haut maximal durch einen Sonnenbrand kurzfristig Farbänderungen abringen können. Und natürlich die Teilmenge, die trotz der Hitze, die ich vernehme, in einem Gebiet der Kühle in Deutschland lebt. Das soll es ja geben.4


Bei aller Liebe: Die Hitze ist in der Informatik unser Feind. Wahrscheinlich nicht nur in der Informatik, aber gerade da. Denn wenn ich an alte Zeiten zurückdenke, sehe ich immer noch mein Mainboard samt Prozessor, Coprozessor, RAM und den weiteren lebensnotwendigen Organen eines frühen 386i im Kühlschrank liegen. Und dabei lediglich ein paar Kabel die hinaus führen. Und einen Jungen voller Hoffnung, dass die Messergebnisse, die gleich auf dem Monitor daneben erscheinen werden, Erfolg verkünden. Übertakten von Prozessoren war damals groß in Mode, blöd war nur, dass die ganze Elektronik dann so unheimlich heiß wurde...


Je schneller Prozessoren und somit die Leistungssteigerung der Computer wurde, um so wichtiger wurde es, sie vom Verbrennen abzuhalten. Noch heute spürt man dies. Z.B. bei spontaner Selbstentzündung von Notebooks. Oder wann immer ich meine PS35 lange laufen lasse6 und dabei das Glas des Schranks, in dem sie steht, versehentlich schließe, quält mich irgendwann eine nervige Geräuschkulisse. Zuerst geht es in Schreien, Klatschen, Jubeln, Motorenkreischen, lauten Knallen und weiteren Spielgeräuschen unter. Aber irgendwann denke ich: Was rauscht denn da so? Es handelt sich natürlich um den Lüfter, der die Konsole vor dem Brand jenseits interner Spieleexplosionen rettet. Eines der typischen Büronebengeräusche. Natürlich nicht von der PS3. Im Sommer entweder von den Computern oder von richtigen Ventilatoren.


Doch nicht nur unsere Maschinen wollen gekühlt werden. Der wichtigste Faktor bei allen unseren Arbeiten ist (oder sollte es zumindest sein) der Mensch. Den Menschen droht zwar nicht gerade die spontane Selbstentzündung - zumindest wenn man Verschwörungstherorien gegenüber skeptisch geneigt ist, aber ein angenehmes Klima verbessert schon die Gesamtsituation. Gerade bei unserer täglichen Arbeit sind meine Kollegen und ich zwar auch darauf angewiesen wie gut und schnell die Maschinen Ergebnisse berechnen, aber noch wertvoller ist und bleibt die Gedankenarbeit, welche in die Planung, Architektur und Entwicklung unserer Projekte einfließt.


Zur Erinnerung, bzw. für all jene die von Laufzeitabschätzungen bei Algorithmen (Stichwort O-Notation etc.) noch nichts gehört haben: Ein Prozessor mit doppelter Geschwindigkeit kann nicht unbedingt genauso schnell mit doppelt so vielen Daten arbeiten. Das hängt damit zusammen, dass viele Algorithmen nicht linear skalieren, sondern polynomiel (oder schlimmer)7. Somit ist die Geschwindigkeit eines Prozessors erst wichtig, wenn wir effiziente Algorithmen liefern (effiziente Algorithmen sind übrigens genau die, deren Laufzeit bezogen auf die Eingabegröße sich durch ein Polynom abschätzen lässt). Das geht nicht immer, denn höchstwahrscheinlich gibt es auch Probleme, für die keine effizienten Algorithmen existieren. Dies wurde allerdings noch nicht endgültig bewiesen. Auf dieser Annahme basiert z.B. die Kryptographie, bei der gesagt wird, bei Unkenntnis eines Schlüssels muss man selbst mit leistungsstarken Prozessoren viel zu lange (richtig lang!) rechnen um Daten zu entschlüsseln. Aber wir schweifen ab.


Halten wir fest: der menschliche Faktor ist bei unserer Arbeit wichtig. Und die Hitze in Büroräumen erschwert klares Denken und führt zu Trägheit8 - und zu vielleicht ansonsten vermeidbaren Streitereien. Daher eine Bitte an alle (nicht Software-) Architekten: Plant Gebäude doch bitte so, dass entweder eine Klimaanlage vorhanden ist, oder Sonneneinwirkung erträglich aufbereitet wird. Beim Gang zum Mittagessen führte heute eine spontane Befragung der Beteiligten zu dem Ergebnis, dass nur wenige Architekten die Fähigkeit besitzen, dies zu beachten.


Eine angemessene Temperatur hilft uns allen die Arbeit effektiv zu bewerkstelligen, und die Moral oben zu halten – und steht damit auf derselben Liste wie ein fröhliches Hallo zum Tagesbeginn.


Man möge an die Trolle aus Terry Pratchetts Scheibenweltromanen denkenii. Diese extrem trägen Lebewesen, von denen man getrost von einer tief verankerten geistigen Nachdenken-Blockade ausgehen kann, sind erstaunlich intelligent, wann immer sie tiefgekühlt werden. Das mag daran liegen, dass sie durch Siliziumstoffe möglicherweise in einem Verwandtschaftsgrad mit unseren Prozessoren stehen. Wobei ich jetzt nicht meine, dass Entwicklertätigkeiten linear zur Raumtemperatur zu sehen sind.


Beibt noch die Frage, kurze Hose ja oder nein? Darüber möche ich mich lieber nicht auslassen, hat doch jede mögliche Antwort bei weitem zu viel politische Brisanz. Soviel sei verraten: Auch in Umfeldern, bei denen der Verzicht auf lange Hosenbeine Gang und Gebe ist, verschone ich meine Kollegen davon.


Gerade jetzt bei beginnender Hitze ist eine wiederkehrende Auflockerung am Arbeitsplatz wichtig und führt trotz der damit verbundenen Pausenzeiten insgesamt sicherlich zu einer Steigerung der Effektivität. Daher an alle Projektleiter: Holt Eis für Euer Team! Oder zieht die Teammitglieder auf jeden Fall in eine schattige Ecke zu einer Runde kalter Getränke. Ich auf jeden Fall besorge gleich Eis.


Ein Eis auszugeben spart auch indirekt Kosten, denn anderweitig kann es passieren, dass sich die Belegschaft irgendwann im Serverraum tummelt. Und wohin das führt, wollen wir alle lieber nicht am eigenen (Projekt-) Leib erfahren.


Meine anfangs erwähnte These sagt aus, dass folgendes die Welt – in diesem Sommer – in Richtung Paradies für alle verbessern wird: Um die bereits angesprochenen Teilmengen nicht zu entzweien, sondern zu vereinen rufe ich hiermit zu einem alle (auch die aus Schlechtwetterzonen) einschließenden HITZEFREI auf! Ein jeder sollte die Zeitung nehmen, eine Stunde eher nach Hause gehen und schön im Sonnenschein (sofern vorhanden) die restlichen Seiten lesen. Auf das die Trägheit des kommenden Sommers bereits im Keim bei uns erstickt wird, und wir frisch und munter morgen wieder ans Werk gehen können. Und nicht vergessen, Computer ausschalten. Auch der will gerne einmal abkühlen – aber kein Bad nehmen.

1Einige wenige mögen jetzt von Bayern sprechen, aber seitdem ich hier versuche zu (über-) leben, habe ich gelernt das Franken Franken und Bayern Bayern ist

2Zu dieser Kategorie zähle ich mich am ehesten

3Kann man eigentlich „mehr“ Recht haben?

4Und ich meine das Wetter, nicht die Mentalität (ein nicht weniger interessantes Thema)

5Ich fürchte ,um keinen Ärger zu bekommen, muss ich der Vollständigkeit angeben: Gemeint ist die Playstation 3 von Sony, eine tolle Spielekonsole wie auch die Microsoft XBox 360 und viele andere*
* von denen gewiss nicht alle so toll sind**
** aber im Zuge der politischen Korrektheit jede ihre Vor- und Nachteile hat

6Also häufig

7Und mit der gesamten Problematik, die man sich mit mehreren parallelen Prozessoren einfängt, will ich Sie gar nicht erst belästigen

8Wobei es durchaus Leute geben kann, die in der Sauna erst auf Betriebstemperatur kommen, ich habe aber noch keine kennengelernt

Donnerstag, 12. Juni 2008

Bericht von der Java One auf der JUG

Gestern gab es einen Bericht zur Java One in der Java User Group Erlangen-Nürnberg und somit den aktuellen Neuigkeiten aus der Java Welt. Wir durften erfahren, was man in der neuen Welt jenseits des großen Wassers in den kommenden Java Version plant - teilweise freuen wir uns darauf, teilweise sind es nicht die besten Aussichten. Dazu gab es die Begründungen, warum die Entscheidungen für kommende Versionen so gefällt wurden.

Alles in allem sicherlich ein spannender Ausblick.