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Dienstag, 13. Mai 2008

Hex and the City: Ein Team aus den Besten

Was ist eigentlich ein gutes Team? Hm, die erste Antwort ist vielleicht: Ein Team das nur aus den Besten besteht. Eigentlich sollte man für die Beantwortung dieser Frage erst einmal klären, was für ein Team denn gebraucht wird, also für welche Aufgabe und in welchem Bereich.


Nun, naheliegend für uns ist natürlich das Problem einzuschränken. Tun wir ja oft in der Informatik. Der Kunde sagt, mein Unternehmen benötigt eine Software die alles kann, und wir sagen „Wollen wir nicht jetzt erst mit einer Software beginnen, die eine Sache kann, dafür die richtig gut?“.


Schränken wir also unser Ausgangsproblem ein. Und zwar ist ein gutes Entwicklungsteam aus der IT gesucht. Entwickler. Wobei ich glaube, die Erkenntnisse sind auf eine Vielzahl an Teams anwendbar. Was nun? Bleibt noch die bereits gegebene Antwort: Ein Team aus den Besten. Da dem Mathematiker-Kern in mir und vielen anderen solche Formulierungen nie genau genug sind: Wie sind denn die Besten definiert?


Und so kommen wir zu dem eigentlichen Problem hinter der Frage. Manch einer mag meinen, dass ein gutes Team einen Top(-Java)-Entwickler nach dem anderen enthält. Ich möchte da widersprechen. Klar kann es nicht schaden, wenn Entwickler gut im Entwickeln sind1. Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass sich Projekte dann auch schnell von der Aufgabenstellung fortentwickeln können. Oft wird zu viel Wert auch Techniken und Technologien gelegt, tausende von Entwurfsmustern2 werden eingesetzt, und die Software ist aus Informatik-ästhetischer Sicht perfekt. Nur leider versteht niemand ohne monatelange Einarbeitung was sie tut3 und längst sind nicht alle fachlichen Anforderungen prima umgesetzt. Ja, wie ich bereits immer versuche in jedem Entwurfsmusterkurs zu erklären, nicht der Einsatz von Patterns ist wichtig, sondern gerade wann man auf ein Pattern verzichtet.


Folglich kann es schon mal nicht schaden, auch mal jemanden im Team zu haben, der Entwurfsmuster gar nicht kennt4. Oder zumindest jemanden mit soviel Erfahrung bei diesen Dingen, dass er nicht alles nimmt was in der Werbung glänzt.


Jemand unerfahrenes in der Entwicklung mag ein Team vielleicht bremsen. Zu viele von ihnen sicherlich. Aber in kompensierbarem Maße dosiert stellt er die richtigen Fragen, die allen helfen, bewusst Entscheidungen im Rahmen der Entwicklung zu treffen.


Was kann weiter hilfreich sein, außer Top-Entwicklern? Was man nicht vergessen darf: Jemand, für den das Projekt dermaßen einfach ist, weil sein Wissenstand für die Aufgaben überqualifiziert ist, der verliert leicht die Motivation. Schlechte Motivation ist wie eine ansteckende Krankheit, man muss auf jeden Fall rechtzeitig reagieren. Nicht immer ist dies dem Projektleiter möglich, da Signale bei ihm nicht unbedingt ankommen5. Es erfordert Aufmerksamkeit und Menschenkenntnis die Reaktionen selbst zu bemerken. Daraus möchte ich gleich 3 weitere Faktoren für ein gutes Team ableiten: Erstens müssen die Mitglieder den Aufgaben angepasst sein, zweitens ist es wichtig Personen integriert zu haben, welche die Kommunikation im Team fördern und damit Motivationsschwächen rechtzeitig aufdecken sowie im besten Fall außer Kraft setzen und drittens kann ein Team bei schlechter Leitung selten gute Arbeit verrichten.


Sind Sie schon einmal in ein Büro gekommen, in der die Luft zum Schneiden bereit ist6? Das kann immer passieren. Wenn es aber nicht die Ausnahme sondern die Regel wird, dann sitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die richtigen Leute zusammen. Und es ist nicht unbedingt eine Lösung, jetzt das Team wild im Gebäude zu verteilen7. Es unterstreicht, wie wichtig mindestens eine Person im Team ist, welche die Kommunikation (positiv) fördert. Das kann natürlich auch der Projektleiter sein, aber da bleibt die Frage ob seine Anwesenheit ausreicht, denn häufig ist er ja nicht die ganze Zeit bei den anderen. Und es zeigt, dass die Mitglieder eines Teams zusammen passen müssen.


Ein Visionär im Team kann auch nicht schaden. Er findet schnell neueste Technologien und schlägt diese immer wieder vor. Solange es beim Vorschlag bleibt und im Einzelfall entschieden wird, ob die Technologie für das Projekt erfolgreich eingesetzt werden kann, ist so ein Visionär eine unverzichtbare Quelle an neuen Ideen für das Team. Er sollte nur nicht die Entscheidungsgewalt haben. Ab und an hilft er auch bei der Planung von Trends für Team-Events^^.


Was in einem gutem Team auch nicht schaden kann, ist jemand, der einem Streit nicht aus dem Weg geht. Gut, wenn das alle machen, sind wir wieder in dem Büro, in dem man die Luft zerschneiden kann. Aber in Unterzahl ist er wichtig, denn er wird nicht immer nur nicken, wenn er (für sich zumindest) weiss, dass Dinge falsch laufen. Er wird immer wieder darauf herum reiten. Das mag zwar nervig klingen, aber es kann ein Projekt nach vorn bringen. Ein Projektleiter muss lernen mit einer solchen Person umzugehen, denn er wird ihm im schlimmsten Fall auch tatsächlich einmal ein Thema verbieten müssen. Trotz konstruktiver Kritik mag das manchmal nötig sein, wenn eine Diskussion sich zu lange hinzieht und keinen Gewinn mehr für das Projekt verspricht.


Um es aus der Sicht der Akademia Arkania zu beschreiben: Ein Projektteam braucht einen Berater, einen Seher, einen Wächter, einen Diplomaten, einen Barden, einen Magiekundigen und einen Schurken.


  • Der Berater liefert die fundierten Argumente zu Entscheidungsfindungen, er ist ein Spezialist mit breitgefächertem Wissen. Er gehört zu denen, die wir vielleicht zu Beginn noch mit „Besten“ bezeichnet hätten.

  • Der Seher ist ein Visionär, der dank seiner Leidenschaft immer weiss, welche Ströme in der Umwelt sich auf das Projekt auswirken können. Er nennt neue Technologien, weiss welche in der Zukunft eine Rolle spielen und kann den Berater somit hilfreich unterstützen8 und zeigen wohin das Projekt technisch schreiten muss.

  • Der Wächter hat sein Augenmerk immer und hauptsächlich auf den Anforderungen des Projektes. Er wird alle Entscheidungen kritisch hinterfragen und somit helfen den Fokus im Team nicht zu verlieren. Er bremst damit zwar den Enthusiasmus der anderen, aber sorgt dafür, dass das Projekt in den richtigen Bahnen fährt.

  • Der Diplomat glänzt mit seiner Teamfähigkeit und Kommunikationsbereitschaft. Er wird zwischen den anderen vermitteln, kann Gespräche mit Außenstehenden führen und fängt die Signale der anderen auf.

  • Der Barde hebt stets die Moral im Team. Er treibt die anderen zu Kaffeepausen an – in denen natürlich auch ein anderes Getränk oder gar nichts getrunken werden darf – verbreitet gute Stimmung und fängt die Leute auf, die sich mal in Gedanken verfangen. Nichts kann bei langem Suchen nach einer Lösung besser sein, als eine Gedankenpause.

  • Der Magiekundige ist der echte Profi-Entwickler im Team. Meist tippt er schneller als ein Auge seine Finger sehen kann9 Häufig erscheint es somit, als würde er die Arbeit im Team verrichten. Aber auch er braucht die anderen, wie wir hoffentlich gelernt haben.

  • In der Akademia Arkania gibt es noch den Schurken. Ich habe lange überlegt, ob und wie ich parallelen zu einem guten IT-Team sehe. Aus politischen Gründen sollte eine Rolle mit dieser Bezeichnung vielleicht besser nicht genannt werden. Aber wer den letzten IT-Projektalltag-Märchenvortrag von mir gehört hat, der weiss: Ich kann einfach nicht anders. Ich muss die Rolle nennen. Ein Schurke ist kein bösartiger Typ, der Dinge klaut oder kopiert. Er ist ein Schelm, der vor Sarkasmus nicht zurückschreckt und bereit ist seine Meinung zu sagen, wenn sich andere nicht trauen. Das macht ihn zu einer wichtigen Rolle im Team, denn nur durch seine Bereitschaft ständig anzuecken, kann er Dinge bewegen, die den anderen sonst unerreichbar blieben.


Dabei handelt es sich natürlich um Rollen die doppelt besetzt oder teils mehrere durch eine Person besetzt sein können.


Ein Team aus den Besten... Die Besten sind also Personen, die nicht einfach technisch begabt sein müssen, sondern sich in ihren Fähigkeiten ergänzen, ein Team bilden und alle Schlüsselrollen besetzen. Jedem davon sollte bewusst sein, dass er Teil eines Teams ist und nicht nur Solo agiert. Ich kann mich daher nicht beschweren, arbeite ich doch mit einem solchen Team. Ein dickes Lob an dieser Stelle für die prima Leistung von Eurer Seite.


Ich bin ja kein Fan von Castings10, aber die Auswahl von Personen für ein Team, das erfolgreich arbeiten soll, ist von entscheidender Bedeutung. Man sollte sich auf jeden Fall Zeit nehmen. Sowohl das Projekt als auch das Team wird es einem positiv verdenken.

1Feuerwehrmänner können ja auch prima Brände legen- wobei ich da jetzt sicher was falsch verstanden habe

2Selbst die, welche man in der Strickkiste der Großmutter gefunden hat

3Erweiterbarkeit durch neue Leute ade

4Was jetzt aber kein Qualitätsmerkmal sein soll

5Bei einer Vielzahl an Projektleitern hat sich die Holzhammermethode bewährt. Dazu nehmen Sie einen Holzhammer und – ich denke Sie wissen wie es weitergeht *

* Falls nicht, sollten Sie mal nachlesen, wie der Patrizier von Ankh-Morporkh auf Terry Pratchetts Scheibenwelt Menschen mit abweichender Meinung von seiner überzeugt

6Und ich meine jetzt kein Büro neben dem Ankh auf der Scheibenwelt – dort wo ja selbst Wasser teils eine schwierig zu definierende Konsistenz besitzt.

7Wer das tut, sollte direkt auch entsprechendes Kartenmaterial liefern – am Besten mit eingezeichneten Kaffeeräumen für kurzweilige Besprechungen

8Häufig sieht man ihn viel im Internet auf Open Source Seiten surfen

9Wobei es sich manchmal um Taschenspielertricks auf der Basis von komplexen Copy&Paste Operationen handelt

10Oder sehen Sie diese Sendungen??

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