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Sonntag, 13. Juli 2008

Hex and the City: EM & Jazoon

Mal wieder eine Ausgabe meiner Kolumne aus dem kostenlosen IT-Magazin KaffeeKlatsch:

Nachdem ich in der letzten Wochen mit zwei lieben Kollegen der MATHEMA die Schweiz besucht habe, freue ich mich von unseren Erlebnissen zu berichten. Genau gesagt waren wir zu Gast in Zürich zur Jazoon, der internationalen Java-Konferenz aus unserem Nachbarland. Die Hinreise am Montag war relativ stressfrei, das Wetter grandios bis unerträglich heiß – manchmal liegen Freude und Qual eng beieinander1 und ganz Zürich im Sinne der EM besonders Farbenfroh.


Am Dienstag morgen ging es dann zur Jazoon, die im tollen Ambiente eines Kinos stattfand. Es begann wie jede Konferenz, naja nicht ganz wenn wir mal ans Einchecken denken, aber das dürfte ein Insider zwischen meinen Begleitern und mir bleiben. Da wir auch einen Ausstellungsstand besaßen haben wir diesen fleißig aufgebaut. Danach war noch ein wenig Zeit, und wir schlenderten durch das Einkaufszentrum neben der Konferenz.


Jetzt kamen zwei einander dual gegenüberstehende Faktoren zusammen. Zum Einen: ich habe mit Fußball wirklich nichts zu schaffen. Bislang (die Zeit vor der Jazoon) konnte man mich schwerlich überreden ein Spiel mit zu schauen, wenn überhaupt dann nur, falls ich mich dabei anderweitig beschäftigen konnte. Der Sport interessiert mich einfach nicht. Zum Anderen: bereits als Kind liebte ich Kino. Na, keinen Zusammenhang entdeckt? Hätte ich auch nicht, bis mein Blick im Einkaufszentrum auf einen Lego-Tischkicker fiel. Beide Faktoren prügelten aufeinander ein. Die Kindheit siegte.


Eine Idee war geboren und nahm ihren Lauf. Wir kauften den Kicker, bauten im Rest der Pause wie früher den Kicker aus Legosteinen zusammen2 und – tadaa – unser Ausstellungsstand besaß einen eigenen kleinen Tischkicker. Und dazu noch aus Lego. Welchen Entwickler würde Lego nicht ansprechen? Schon Douglas Coupland hat es in seinem Roman „Mikrosklaven“ erwähnt. Ein toller sehr lustiger und unterhaltsamer Roman, angehaucht als ein Tagebuch über einen Microsoft-Mitarbeiter, der sich mit seinen Freunden selbstständig macht, und deren Gespräche und Gedanken den eigenen so oft dermaßen nahe kommen, dass man sich ständig fragt ob man auch so „geekig und nerdig“ ist wie die Romanfiguren. Wir hatten also zwei große Pluspunkte am Stand. Fußball und Lego. Ab dem Zeitpunkt nahmen wir auch Wetten für das große Halbfinale am Mittwoch entgegen. Die wenigen, die gegen Deutschland setzten sind uns natürlich noch bekannt3.


Somit war unser Stand gut besucht, und sicher wird man uns des Öfteren von nun an auf Konferenzen daran erkennen, dass man gegen uns um Tassen spielen kann. Also, fleißig trainieren.


Am Mittwoch Nachmittag hatten mein Kollege Werner Eberling und ich dann unseren Vortrag über Aspektorientierte Programmierung. Wir durften also endlich einmal mit den Helden auf der Leinwand tauschen und standen unten vor dem Publikum, welches in den kuscheligen Kinosesseln Platz genommen hatte. Ein tolle Kulisse. Allerdings zwei Nachteile:

  • wenn man bei der Leinwand steht und in den Raum schaut, dann blickt man direkt ins Licht. Und wenn man ins Licht geht – was man ja ohnehin niemals tun sollte – dann stürzt man von der Empore. Was man im Voraus genauso wenig wie sein Publikum sieht, denn das Licht blendet schier.

  • in den Sesseln wach zu bleiben fällt nicht gerade leicht. Womit das Erstgenannte fast wieder ein Vorteil ist, denn wir als Speaker sehen die Schläfer kaum4


Vielleicht haben wir einige Personen enttäuscht als wir sagten, welchen Grenzen die Aspektorientierte Programmierung bei der Projektarbeit (im Gegensatz zur Herstellung von Tools) unterliegt, aber Realismus geht vor. Ich finde es manchmal wichtiger darauf hinzuweisen, wann man einen Hype besser nicht mitmacht, als ständig nur über alles zu reden, was gerade in Mode ist. Wobei wir durchaus auch Möglichkeiten genannt haben, wie AOP (eingeschränkt) gewinnbringend in Projekten genutzt werden kann und bewiesener auch wurde.


Am Abend gab es dann mit mehreren Java User Groups gemeinsam (wir haben die JUG Erlangen-Nürnberg vertreten) das Fußballspiel zu sehen. Wegen dem internationalen Publikum schauten wir zuerst BBC, immerhin ist die Konferenzsprache auch Englisch. Gerade für die JUG aus Brasilien schien dies Sinn zu machen. Allerdings waren wir mehr als glücklich, als wir bei dem Sendeausfall auf das Schweizer Fernsehen direkt umschalten konnten und uns somit kein einziger Fehler im Mittelfeld als auch keine Chance entging. Das sollte uns allen eine Lehre sein: wenn ich mal wieder etwas über Ausfallsicherheit, Replikas und Backupsysteme und Worst-Case-Szenarios erzähle will ich keine verwirrten oder zweifelnden Mienen mehr erblicken. Ach, und das Spiel selbst zeigt wie gravierend Fehler in der Middleware sein können.


Die Stimmung war gut, auch nach dem Spiel und die gemeinsame Feierei endete erst spät in der Nacht am Zürichsee. Besonders gefiel mir dabei, dass Fans beider Parteien miteinander ohne Groll gefeiert haben5. Genauso würde ich mir oft den Wegfall der Glaubenskrieger im technologischen Bereich wünschen, bin ich doch für beide Welten (Java und .NET) unterwegs.


Der Donnerstag der Konferenz war ebenfalls schön. Er begann mit einem Getränk im Starbucks6 - wo man uns als erkennbare Deutsche übrigens als Glückwunsch Getränke geschenkt hatte7. Vielen Dank an dieser Stelle. So gestärkt sahen wir noch einige weitere Vorträge und lernten wieder nette neue Leute kennen.


Was habe ich gelernt:

  • die Schweizer haben uns beim Fußballspiel Türkei Vs. Deutschland zumeist explizit kein Glück geschenkt8,

  • wenn in Zürich auf einer Speisekarte steht „Nudeln mit Käse und Apfelkompott und Kartoffeln“, dann ist das genauso gemeint9,

  • zu Fondue werden Chips (Kartoffelchips!) serviert – und das schmeckt sogar


Und um technologische Dinge keineswegs zu vergessen:

  • Java hat eine Menge Fallstricke, was meiner Meinung nach noch die Wichtigkeit von Unittesting betont. Gerade bei den Java Puzzles hat man so Nettigkeiten gesehen, dass die Funktion skip(long n) der Klasse FileInputStream keineswegs die übergebene Anzahl Bytes „skipped“.

  • Neue technologische Errungenschaften sollten nie missachtet aber auch keineswegs immer direkt im Projekt eingesetzt werden. JEE, Struts, JSF, Wicket, Spring und vieles mehr10, dass alles sollte sich gegenseitig nicht für immer ersetzen. Viel mehr sollte man diese und alle anderen Technologien im Einzelfall (und möglichst objektiv) auf ihre Vor- und Nachteile prüfen. Und keine Technologie hat ausschließlich Vorteile11. Und sei bloß ein Nachteil, dass man einfach keine eigenen Ressourcen hat, die ausreichend Wissen verfügen, um später den Betrieb zu sichern.


Daher mein Fazit: ich mag die Schweiz, auch wenn uns zum Spiel dort kaum die Daumen gedrückt wurden. Denn es ist doch gerade schön, dass ein jeder seine eigene Ansicht hat. Im Fußball gebe es sonst bald nur noch eine Mannschaft. Und mal im ernst, wer würde denn weltweit gern nur noch den FC Bayern sehen12. Und genauso ist dies auch in unserer Branche. Ich diskutiere gern mit anderen über Technologien. Denn gerade die Konkurrenz verschiedener Technologien kann uns allen helfen bessere Frameworks/API etc. zu erhalten. Und was ist schöner als immer bessere Werkzeuge einsetzen zu können.


Danke noch mal für all die netten Gespräche auf der Jazoon. Und für die fairen Gewinner und Verlierer bei unseren Lego-Tischkicker spielen. Jederzeit wieder. Man sieht sich ja teilweise bereits im September zum Herbstcampus.





1Bzw. nur wenige Grad auf der Skala entfernt

2Und hatten dabei vermutlich ein seltsames Grinsen im Gesicht

* aber ein glückliches

** und was gibt es schöneres als ein glückliches Kind

3Ganz schön mutig – da fällt mir der „Bastard Operator of Hell“ ein, und seine Frage „Wie war nochmal Ihr Username?“

4Und können daher nichts werfen – aber auch nicht beleidigt sein

5Sprich, wir waren tolle Gewinner, die anderen tolle Verlierer. Ich hoffe sehr, andersherum wäre es genauso gewesen

6in einer Region ohne diese Kette könnte ich wahrscheinlich nicht überleben*

* aber jeder hat ja sein Kryptonit **

** somit kann man mich entweder per Mail, per Xing oder in einem Starbucks erreichen

7Für die Pessimisten: ja, wir haben die Zubereitung überwacht

8Aber wir sind ja nicht nachtragend

9Außerdem sagt man ja, es landet ohnehin alles in einem Magen

10Hier einfach mal als Stichworte ohne einen gewünschten Zusammenhang genannt

11Und da bin ich mir mehr als sicher*

* aber natürlich kann auch ich mich irren

12Kann natürlich individuell durch jeden anderen Verein ersetzt werden. Ich habe ohnehin keine Ahnung von Fußball, daher sollte nichts was ich darüber schreibe relevant sein. Das ich gerade diesen Verein wählte haben wir den „Toten Hosen“ zu verdanken

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