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Donnerstag, 25. Juni 2009

Hex and the City: Kaffeeklatsch... im Weitesten und im Speziellen

Kaffeeklatsch... im Weitesten und im Speziellen


Vor kurzem musste ich lesen, was einen Menschen ausmacht, der sich einen doppelten Espresso bestellt. Im Zeit Magazin [1] wird behauptet, dass man demnach eigentlich todmüde ist und arbeitstechnisch immer verfügbar sein muss. Und das die zwei Espressi vereint als doppelte Ladung ein Ersatz für stärkere Aufputschmittel sind.


Nachdem zumindest die Java-Gemeindemitglieder unter uns Informatikern sich ja stark auf der Kaffeeseite des Lebens befinden – nicht umsonst stammen viele Symbole bei Java aus der Kaffeewelt, wie die berühmte Java-Kaffee-Bohne – denke ich, ist es wert einen Blick auf die Analogien zu werfen. Ist Java ein Espresso? Nachdem das Bild von Informatikern in der Allgemeinheit ja gerne einmal Menschen zeigt, die spät nachts noch vor Bildschirmen hocken1 und wilde Wörter und kryptische Zeichenkombinationen eingeben, passt der Vergleich mit dem Espresso gegen die Müdigkeit. Wenn wir mit Java 2 den doppelten Espresso hatten, was haben wir dann heute?


Java 2 gab es ja nach Java. Das klingt trivial. Aber es geht ja weiter. Java 2 existierte vor Java 5. Mathematisch ohnehin korrekt. Verwirrend wird es erst, wenn man weiß, dass Java 3 oder 4 nie (bislang) existiert hat2. Java 2 heißt Java auch bereits seit der JDK 1.1. Das ging bis zur Version 1.4.x so. Danach erst kam der Begriff Java 5 auf – wer weiß, ob da nicht eine fünffache Version Espresso im Spiel war.


Aber da wo wir eine Zahl dazu bekommen haben, nämlich hinter Java, wurde sie uns im Enterprise-Umfeld, der Java Enterprise Edition, weggenommen. J2EE wurde parallel zu Java 5 zu JEE. Jetzt also ohne Nummer im Namen. Dafür gibt es jetzt die JEE Version 5, wenn man es genau nimmt.


Bei den Enterprise JavaBeans als Teil der JEE ist es simpler. Während EJB 1.0 im Jahre 1998 die Welt erblickte, kam mit J2EE auch EJB 2.0 und später 2.1. Dann aber hört die Vergleichbarkeit der Versionsnummern auch auf. EJB 3 ist Teil von JEE Version 5 und wozu die künftige Version EJB 3.1 gehören wird, steht wohl noch in den Sternen.


Und das waren jetzt nur die Versionsnummern von Basistechnologien, von den Abkürzungen selbst wollen wir mal besser gar nicht sprechen.


Wenn also Java 2 ein doppelter Espresso war – und das war es bei der Vielzahl an Verbesserungen mindestens, dann war die Zeit dafür nicht mehr als ein Espresso. Oder ein Espresso macchiato für Leute, die eine extra VM genutzt haben. Wieviel Koffein erwartet uns denn bei Java 7? Oder wird vielleicht nur mehr Milch hinein gegossen?


Wenn Milch als Extras zählt, dann haben wir eine große Zahl an möglichen Varianten bzgl. der Analogie in der Java-Historie.


Java 5 könnte ein Milchkaffee sein – für Leute die solide Basistechnologien lieben und keinen exotischen Kram. Wer es ein bisschen außergewöhnlicher mag, vielleicht ab und an einmal die J2ME (hier steht die 2 noch immer fest an ihrem Platz) als Mobile Edition nutzt, der nimmt vielleicht einen Café au Lait. Mit Java 5 kamen ja auch die Annotationen dazu, wer diese selbst verwendet hat, bestellt wohl am ehesten eine Latte macchiato3 und geht was die Milch anbelangt dann Richtung Java 6, besonders lecker auch mit Milchschaumhaube. Eine Latte macchiato wird auch schichtweise ausgeliefert – zumindest wenn sie gut gemacht ist. Auch das kennen wir in Java mittlerweile durch die Trennung in Standard, Enterprise und Mobile Edition.


Was ist dann Java 7? Was bleibt denn noch? Von den gängigen Begriffen könnte noch der Cappuccino als Symbol herhalten. Hier fehlt aber einiges an Milch im Vergleich zu einigen der vorher genannten Koffeingetränken. Macht ja nichts, weniger könnte ja auch mehr sein. Zum Beispiel durch Verzicht auf all die Sachen, die man durch ihren deprecated-Status ohnehin nicht nutzen kann. Aber das wäre wohl zu schön um wahr zu sein.


Ich bleibe nach wie vor bei meinem Lieblingsgetränk. Double mocca macchiato. Wieviel Milch und Schaum dabei ist, dass muss jeder selbst enträtseln. Aber es ist (subjektiv betrachtet) die perfekte Zusammenstellung an Effizienz, Effektivität und Genuss mit wertvollen Extras. Natürlich spreche ich von dem Getränk. Alles andere ist kalter Kaffee. Übrigens: Fußnoten sind der Kaffeesatz.







[1] Zeit Magazin, Nr. 18, 23.04.2009, S. 31, „Coffee to show“, Tillmann Prüfer



1 Unter Umständen ist es auch Tag, aber die Jalousien sind geschlossen. Licht bremst ja bekanntlich.

2 Vielleicht eine Hommage an die Leisure Suite Larry Spiele ursprünglich von Sierra On-Line (später Codemaster). Al Lowe, der Erschaffer dieser Adventure-Spiel-Reihe, hatte wohl zu früh versichert, dass nach Teil 3 kein vierter herauskommt. Somit hieß der Nachfolger direkt Leisure Suit Larry 5. Von Teil 4, auch als Leisure Suit Larry – The Missing Floppies bekannt, war niemals etwas gesehen. *

* Selbst Larry, der Hauptprotagonist des Spiel, kann sich in den Nachfolgeteilen nicht erinnern, was ihn im vierten Teil passiert sein mag. Das mag manchmal auch auf Entwickler zutreffen – hauptsächlich wenn man bei der Frage nach dem Grund der Implementierung hört: „Das ist historisch gewachsen“.

3 Oder einen Caffé e Latte in der fälschlichen Annahme, das dies dasselbe ist. Hier sind zwei Espressi statt nur einem drin und der tolle Milchschaum fehlt. Zumindest wenn der Verkäufer Ahnung hat, was er da zusammen brüht. Und ja, es heisst eine Latte, denn diese gefleckte Milch ist im italienischen weiblich. Aber ich sag es auch immer so, wie es gerade über die Zunge kommt.

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