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Donnerstag, 25. Juni 2009

Hex and the City: Fehlersuche oder Kaugummipapier, 3,5“-Diskette und ein BIOS

Fehlersuche oder Kaugummipapier, 3,5“-Diskette und ein BIOS


Vor einigen Tagen hatte ein Notebook einen Defekt – es ging nur noch ohne Bild mit Piepsen an. Ohne auf die Details der Fehlersuche einzugehen, höchstwahrscheinlich ist die Grafikkarte defekt, oder aber das BIOS ist mit falschen Daten überschrieben. Die genauen Piepstöne beim Booten in Zusammenhang mit dem BIOS-Hersteller lassen diese beiden Möglichkeiten offen, alle anderen Anzeichen deuten auch darauf hin. Hätte ich zwei weitere Tage bis zur Artikelabgabe, könnte ich mich sicherlich auf eine der beiden Fehlerquellen festlegen, aber letztlich soll dies für uns an dieser Stelle nicht relevant sein.


Warum in zwei Tagen? So lange braucht das externe USB-Diskettenlaufwerk leider noch, bis es geliefert wird. Disketten? Ja, richtig gelesen. 3,5“ um genau zu sein1.


Da bei Notebooks die Grafikkarte OnBoard ist, lässt sie sich zur Fehleranalyse nicht austauschen. Somit habe ich mich dazu entschlossen, dass BIOS zuerst zu restaurieren. Einfach, denken Sie jetzt vielleicht, wenn Sie einer von denen sind, die schon des Häufigeren mit Hardwarebauteilen wie Puzzlestücken gespielt haben und den Unterschied von CMOS2 und BIOS kennen. Aber nicht so einfach, wenn man es mit der aktuellen Evolutionsstufe der Computerhardware zu tun hat. Woran man sehen kann, wozu Evolution gut ist – oder auch nicht.


Früher gab es zum Reset des Basic Input Output System – ja, genau das bedeutet BIOS – manchmal einen Jumper. Leider nicht bei diesem Notebook. Auch keine Batterie die man abklemmen kann (oder irgendwas in dem Sinne, dass Strom liefert, auch wenn der Computer nicht an das eigentliche Stromnetz angeschlossen ist). Somit sind vielleicht falsche Daten im BIOS, aber zurücksetzen geht nicht. Dies hat zur Konsequenz, falls es sich nicht doch um eine defekte Grafikkarte handelt, dass sich eine fehlerhafte Firmware des x86 eingeschlichen hat, die kaum zu entfernen ist. Da das BIOS direkt mit der Hauptplatine verbunden ist, lässt es sich auch nicht als Hardwarekomponente austauschen. Das, was vor dem Start des Betriebssystems dem Computer einen Hauch von Leben schenkt, ist damit erstmal außer Gefecht gesetzt. Bios bedeutet übrigens im griechischen Leben. Leider ist bei diesem Notebook davon nicht mehr viel zu spüren.


Warum jetzt also ein externes USB-Diskettenlaufwerk? Nun, es gibt eine letzte Chance ein BIOS zu retten, ohne das Mainboard auszutauschen. Letzteres ist ja auch nicht mehr so einfach, denn der Versuch ein Mainboard für ein wenige Jahre altes Notebook zu ergattern, muss nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein. Zur Rettung: ein Phoenix-BIOS hat seit 2001 einen speziellen Crisis Recovery Mode, den man während des Startens des Computers mit einem Tastenkombination aktivieren kann. Jetzt wird BIOS-Code von einem sogenannten Boot-Block ausgeführt, der Notfallinstruktionen enthält, die bei BIOS-Flashs nicht überschrieben werden. So weit so gut. Alternativ zur Tastenkombination gibt es auch Versionen, die einen Jumper zum Aktivieren haben, oder – ja, ehrlich – ein bestimmter Dongle3 muss am Parallel-Port stecken.


Wenn der Crisis Recovery Mode aktiviert ist, kann man neue Firmware ins BIOS flashen. Jetzt kommt das Diskettenlaufwerk ins Spiel. Denn der Boot-Block kann naturgemäß nicht besonders viele Instruktionen enthalten, somit musste man sich auf das Notwendigste beschränken und hat keine optionalen Treiber eingebaut. Es wird lediglich unterstützt, von einer Diskette zu booten. Eine bootfähige CD oder ein USB-Stick funktionieren nicht. Hat man sich also vorher eine solche Diskette erstellt (die entsprechende Firmware für das BIOS sollte man im Internet finden), kann man trotz fehlerhaften BIOS über den Boot-Block booten und mit der Diskette das Flashen einleiten. Super.


Vorbereit ist bereits alles, jetzt muss nur noch das Diskettenlaufwerk ankommen. Was kann man dadurch lernen?


Nichts ist einfacher geworden.


Verdient eine Firma auch an Reparaturen, macht sie es den Nutzern leider nicht immer leicht, Fehler selbst zu beheben.


Und ich wette, es ist die Grafikkarte. Murphys Gesetz.



[1] Wikipedia, Basis Input Output System, http://de.wikipedia.org/wiki/Basic_Input_Output_System, 27.05.2009

[2] How to fix a corrupted Phoenix BIOS using the Crisis Recovery Disk, http://crd.y1.cc, 27.05.2009

[3] Diskettenstifthalter selber bauen, http://www.expli.de/anleitung/disketten-stifthalter-selber-bauen-249, 27.05.2009

1So flache, beinahe zweidimensionale Datenspeicher, die aber etwas mehr Dreidimensionalität besitzen als ihr 5,25“* Verwandten. Wer sich nicht erinnern kann: es gibt schöne technische Museen im Umkreis fast aller zivilisierten Gebiete. Manchmal trifft man sie auch als Stifthalter an, siehe [3].

* Die man noch mit einem Locher, oder einer Schere, oder einem patentierten Dings beidseitig nutzbar machen konnte. Nostalgie pur.

2Beim CMOS handelt es sich eigentlich nur um SRAM das die BIOS-Einstellungen speichert. Der Begriff CMOS als Complementary Metal Oxide Semiconductor stammt aus der Elektronik und hat sich beim PC für den speziellen Anwendungsfall (teils fälschlicherweise) eingebürgert.

3Bzw. nimmt man bei der MacGyver-Methode einen normales Parallel-Port Druckerkabel, schneidet es durch und verbindet Pin 2 mit 15, 3 mit 13, 4 mit 11, 5 mit 12 und 6 mit 10. Nachdem ich früher schon Platinen mit Kaugummipapier überbrückt habe können Sie sich denken, wozu ich raten würde*

* Mein Rat ist, bestellen Sie ein neues Notebook

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